

Die Geschichte der Ulmer Münsterbauhütte beginnt mit der Grundsteinlegung des Ulmer Münsters im Jahr 1377 durch Bürgermeister Ludwig (Lutz) Kraft. Zeitgleich entstand die Bauhütte als organisatorisches und handwerkliches Zentrum des Kirchenbaus. Bedeutende Münsterbaumeister wie Heinrich II. Parler, Matthäus Ensinger, Ulrich Ensinger, Matthäus Böblinger und Burkhard Engelberg prägten die Baugeschichte und das Erscheinungsbild des Münsters maßgeblich.
Nach einem Baustopp von 1543 bis 1844 ruhte die Bautätigkeit rund 300 Jahre. Mit Ferdinand Thrän begann 1844 die Wiederaufnahme der Bauarbeiten, die schließlich am 31. Mai 1890 unter Münsterbaumeister August Beyer mit der Vollendung des bis 2026 höchsten Kirchturms der Welt abgeschlossen wurden.
Die Münsterbauhütte ist jedoch weit mehr als ein historischer Baubetrieb: Sie bewahrt seit über 600 Jahren traditionelles Steinmetzhandwerk, restauratorisches Wissen und handwerkliche Kulturtechniken. Heute liegt ihre Hauptaufgabe im Schutz, der Pflege und Restaurierung des Münsters. Moderne Verfahren wie Laservermessung, digitale Dokumentation und wissenschaftliche Baustoffforschung ergänzen dabei das traditionelle Handwerk. Die Erfahrung der Steinmetze bleibt unersetzlich, da Maschinen die Materialeigenschaften von Naturstein nicht in gleicher Weise erfassen können. Deshalb gelten Münster- und Dombauhütten als wichtige Kompetenzzentren für die Bearbeitung und Erhaltung von Naturstein.
Heute arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Steinmetzen, Restauratoren, Auszubildenden und technischen Fachkräften zusammen. Die Bauhütte verbindet bewusst Tradition und Innovation und kooperiert eng mit Hochschulen und der Denkmalpflege.
